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Kreativität – Die Luft die von der Fantasie geatmet wird

Mit offenen Augen liege ich auf meinem Sofa. Mein Blick wirkt leer und geradezu leblos. Hin und wieder zucken meine Fingerspitzen. Mein Kopf wird von eines der wenigen, etwas rauen Kopfkissen gestützt. Mein Körper ist zur Hälfte etwas unordentlich von meiner bunten Tagesdecke verdeckt. Ich habe mich hingelegt, nachdem ich den ganzen Tag meine Wohnung aufgeräumt habe. Schmutz an Regionen entdeckt habe, von denen ich nicht einmal ahnte, dass sich dort so viel Dreck ansammeln konnte. Alle mussten sie raus: Die von den Medien schlecht gemachten Fleckenzwerge auf meinen gefliesten Küchenboden. Die Wollmäuse wurden vertrieben, habe mir sogar vorgestellt, wie ich Flöte spielend alle aus meiner Wohnung locke. Dabei hielt ich nichts, worin ein Mensch hinein pusten sollte. Der Staubsauger hätte wohl höchstens meine Lippen hinein gesaugt und mir einen Mund gegeben, wie er nach einer übertriebenen Botoxbehandlung wohl aussähe.

Nun liege ich hier, auf dem Sofa. Starre vor mich hin, regungslos und mit ruhigem Atem. Alle paar Minuten blinzle ich einmal. Außenstehende würden mir wohl Drogenmissbrauch vorwerfen. Liege ich wie berauscht auf meinem weichen Sofa. Dabei brauchte ich eine Pause. Nicht mein Körper benötigte sie, dem ging es gut – war es doch schon Routine für Ordnung zu sorgen. Mein Geist wollte diese Pause. Es gab „Abendessen“ für meine Fantasie. Ich stellte mit allerlei Dinge vor. Verrückte Erfindungen, von denen wohl nur ein Teil von der Menschheit benötigt wurde. Bestimmte Kunstwerke, die man vielleicht in meiner Stadt errichten könnte. All solche Gedanken, sie umkreisten mich in diesem Moment. Bannten meinen Geist und ließen ihn alle Sorgen vergessen.

Mein Leben verläuft oft stressig und etwas hektisch obendrein. Doch in solchen Momenten erhole ich mich. Ein Verstand der sich bis zu einem gewissen Grad selber heilen kann – was will man mehr?

Ich bin ein junger Mensch, noch nicht so alt, dass ich großartige Anekdoten aus meinem Leben berichten kann. Durchschnittlich bin ich gewiss nicht, habe ich mich oft für den schweren Pfad entschieden, wenn mir die Wahl gelassen wurde. Vielleicht liebe ich ja die Herausforderung oder ich bin einfach etwas verrückt.

Kreativität, dass ist etwas, dass mir sehr wichtig ist im Leben. Doch was ist diese „Kreativität“? In Fachbüchern stehen allerlei Beschreibungen drin, die darauf hinauslaufen, dass ein kreativer Mensch in der Lage ist oft künstlerisch oder alternativ zu denken und zu handeln.

Für mich jedoch, ist die Kreativität der Zündstoff der Evolution, der uns die vermeintlich führende Rolle auf Erden ermöglichte. Es gibt viele Möglichkeiten die Kreativität einzusetzen. In einigen Fällen ist sie sogar brauchbarer als die gewöhnliche, reine und absolute Logik. Doch birgt sie auch Nachteile. Auf einen Regenbogen rutschend erreiche ich mein Ziel oft langsamer, als jemand der sich stur geradeaus bewegt und den kürzesten Weg von „A“ nach „B“ wählt.

Die Fantasie, eine Welt die einen Menschen so gefangen nehmen kann, dass sie die eigene Welt zum Teil oder gar gänzlich ersetzt. Solch ein Mensch bin ich glücklicherweise nicht. Dass ich mich hin und wieder hinlege und vor mich hin träume, heißt noch lange nicht, dass ich kein effizientes Mitglied der Gesellschaft bin. Außerhalb meiner Pausen, mache ich das, wofür die Pausen gebraucht wurden: Leistung erzielen und das so gut es geht.

Menschen brauchen einen Ausgleich im Leben. Sie benötigen alle eine Alternative. Kaum ein Mensch schafft es seine Pflichten fortwährend mit seinem Vergnügen zu verbinden. Dies wird jedoch auch nicht von unserer Gesellschaft verlangt. Jeder Mensch soll einen gewissen Freiraum für eigene Entfaltung haben.

Dabei muss man auch nicht unbedingt die Fantasie bedienen. Ich für meinen Teil habe mich jedoch dafür entschieden. War die Fantasie in meiner Kindheit, dass liebste Spielzeug was ich besaß. Ich halte es in Ehren und pflege sie wie ein Haustier, dass ich natürlich weder verhungern, noch verkümmern lassen möchte. Sie ist ein Teil von mir, so wie die Luft die ich atme, so brauche ich auch meine Fantasie. Ohne den Regenbogen in meinen Gedanken, würden oft nur dunkle Gewitterwolken in mir aufziehen. Kreativität ermöglicht es vielen Menschen ihr Leben zu verbessern und ihr Potenzial auszuschöpfen.

Vielleicht bin ich ja anders als ein großer Teil der Gesellschaft. Oder aber die Umwelt, bestehend aus Medien und einer gesellschaftlichen Ordnung, hat es soweit geschafft, dass wir nicht mehr wissen, mit was für Menschen wir unser Land teilen. Das gibt natürlich besten Zündstoff die eigene Kreativität für gemeine Vorurteile und Hassparolen zu verwenden. Ein Missbrauch, den ich mir höchstens im Zorn erlaube, wenn ich mich hinterher dafür auch schäme. Denn diese Gabe, die all jener von uns trägt, ist nicht dazu da uns gegenseitig das Leben schwer zu machen, sondern es zu erleichtern. Kreativität ist ein fester Bestandteil von Problemlösungen, schließt sie weder die Logik aus, noch wird sie von der Logik ausgeschlossen, sofern sie sich nicht in einen fantastischen, unmöglichen Bereich aufhält.

Einige Fachdefinitionen gehen davon aus, dass ein kreativer Mensch schnelle Gedankenkonstrukte entwickeln muss, im Zusammenspiel mit äußerlichen Einflüssen und vielem mehr. Häufig ist es so, dass Kreativität nicht nur ein fester Ausdruck sein kann, sondern auch mit einer gewissen Eigendefinition für jedes Individuum geknüpft ist. Schließlich können wir nicht jedes Mal ein eigenes Wort erfinden, wenn wir ein anderes Wort für uns unterschiedlich definieren, als es der Massenmaßstab vorgibt. Glücklicherweise gibt es solche Maßstäbe, sind sie Anknüpfungspunkte für unsere Kommunikation.

Selber werde ich mich jetzt noch auf den Bauch drehen, ich merke gerade, dass ich scheinbar auf meiner Fernbedienung liege. Auch eine Form, sich ein kreatives Knopfmuster in Rot auf den Rücken einzuverleiben. Wie dem auch sei, ich verabschiede mich, gleich stehe ich auf und koche mir etwas und dann schaue ich, dass ich meinen Teil des Kellers in Ordnung halte, stapeln sich dort schon die Körbe.

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