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Mann und Frau, Psychologie der Beziehungen

Co – Abhängigkeit, Rollenverteilung in der Familie

Vorab ist zu sagen, dass die Rollenverteilung auch variieren kann. Nach Beobachtungen und eingehenden Studien wurde dieses Rollenbild der Familienangehörigen oftmals beobachtet und verfolgt. Wenn es um Menschen, um die Individualität geht, gibt es kein allgemeingültiges Rollenbild oder Verhalten. Es kommt immer auf die psychische Stärke oder Labilität der Person an.

Es geht ebenfalls um die Frage der Nähe und Distanz. Inwieweit ist es einer Person möglich sich abzugrenzen ohne den Bezug zu allem zu verlieren.

Bei einer Familie mit einer Co – Abhängigen Person entwickeln sich im Laufe der Suchterkrankung unterschiedliche Rollenbilder. Die Rollenbilder nehmen die anderen Familienmitglieder an und finden in der Form ihre Position innerhalb der Familie.

Ich möchte das Beispiel auf eine Suchterkrankung des Ehemannes beziehen, da ansonsten Verwirrung bei den Umschreibungen aufkommen kann. Es geht nicht darum wer Abhängig wird, die Rollenverteilung und die damit verbundenen Verhaltensweisen sind gleichbleibend.

Ein klares Beispiel macht die Rollenbilder durchsichtiger und besser erklärbar.

Zum einen gibt es die sogenannte “ Trümmerfrau„. In diesem Beispiel nimmt sie nach einiger Zeit eine immer größere Rolle innerhalb der Familie ein. Sie übernimmt viele praktische, aber auch Beziehungsaufgaben, die vorher dem Mann zugeschrieben waren. Ihre neue Aufgabe besteht auch darin, Entscheidungen alleine, ohne Rücksprache zu treffen und die Familienangelegenheiten überwiegend alleine zu bewältigen.

Die neue Belastung, fast alles alleine zu koordinieren, verursacht Erschöpfungserscheinungen aber auch Traurigkeit. Sie ist stets um alle Familienmitglieder besorgt und ist unermüdlich bemüht für alle da zu sein und sich, um sie zu kümmern. Manche Frauen schildern die Paarbeziehung in einer solchen Situation eher als eine Mutter-Kind Beziehung.

Die Kinder übernehmen jeweils auch eine andere Rolle. Natürlich werden nicht in allen Familien, alle Rollenbilder abgedeckt, aber eines oder zwei der Rollenbilder sind wahrscheinlich.

Die Rolle des Helden oder der Heldin steht der Mutter am nächsten. Diese Position übernimmt oftmals das älteste Kind. Es steht der Mutter als Vertrauensperson zur Verfügung und ist Ansprechpartner für Sorgen oder auch anfallenden Entscheidungen. Dieses Kind wirkt sehr frühreif. Es übernimmt ein hohes Maß an Verantwortung gegenüber den Geschwistern.

In der Schule fallen sie durch besonders gute Leistungen und ihrer vernünftigen Art auf. Das Kind erhält dadurch eine hohe Anerkennung von den Lehrern, der Familie und auch Freunden und wird somit in seiner Rolle bestärkt. Das Kind hat den Platz des Ersatzpartners eingenommen und ist völlig aus der kinderrolle rausgewachsen.

Ein weiteres Rollenbild ist das „Träumerle„.

Dieses Kind zieht sich zurück, um die Eltern und auch die anderen Familienmitglieder zu entlasten. Es spürt die Erschöpfung und den Kampf aller Beteiligten mit dieser Suchterkrankung und Familienumstellung zurechtzukommen. Es möchte nicht auffallen und niemanden in Anspruch nehmen, da schon genug zutun ist. Diese Kinder reden nicht viel und zeigen auch schon nach kurzer Zeit kaum noch Emotionen, egal ob Freude oder Trauer. Es scheint mit der Welt zufrieden zu sein, verliert sich in Tagträumen und das Sprechen wird immer weniger.

Durch das Alleinsein und die Träumereien retuschiert das Kind seine sprachlichen Defizite sowie seine wenig entwickelte Selbstbehauptung. In der Schule fallen diese Kinder durch schlechte Noten auf und dass sie keinen Anschluss an andere Mitschüler finden. Es besitzt ein sehr geringes Durchsetzungsvermögen und oftmals gehen Hänseleien in der Schule mit einher.

Das folgende Rollenbild widmet sich dem sogenannten “ Maskottchen“ diese Kinder sind meist schon vor der Erkrankung sehr lebhaft und Temperamentvoll.

Durch die neue Situation verstärkt sich ihre aufgeweckte Art und das Familienmitglied ist stetig in Bewegung.

Das “ Maskottchen“ sprudelt vor Ideen, redet unentwegt und sticht durch die gute Laune die es versprüht heraus. Bei Nachbarn, Freunden und in der Schule kommt diese Art sehr gut an, das Kind ist beliebt und wird somit in seiner Rolle bestärkt.

Die Beschämung über die Problematik die Zuhause herrscht und die Versagensängste über ihr Anderssein versucht sie durch ihr Verhalten zu entkräften. Es wird versucht ein Bild, der harmonischen Familie nach außen vermittelt. Dieses Kind möchte durch die quirlige Art, die anderen Familienmitglieder erheitern. Die Gefahr besteht darin, die eigene Ruhe und Besinnung zu verlieren. Es ist ein riesiger Kraftakt, der nach einiger Zeit zu einer erheblichen Erschöpfung führt.

Die Rolle des “ Sündenbocks“ ist meist dahingehend gekennzeichnet, dass dieses Kind dem suchterkrankten Elternteil am nächsten stand.

Das Kind ist geprägt von der Sprachlosigkeit der Eltern. In vielen Fällen hat sich das Kind mit dem erkrankten Familienmitglied identifiziert und in der neuen Situation, sind die anderen Familienmitglieder in dem Fall dem Vater gegenüber verunsichert und verärgert.

Es versucht durch ständiges negatives Verhalten gegenüber der Familie aber auch Freunden und in der Schule, den Vater aus dieser Position herauszuholen und den Fokus auf sich zu lenken. Durch sein negatives Verhalten erreicht er, dass die Eltern miteinander in Kontakt treten.

Ebenfalls fordert und erhält auch das Kind die Aufmerksamkeit, die es benötigt, auch wenn es in Form von Bestrafungen ist. Die Gefahr ist sehr groß, dass dieses Kind auch im Erwachsenenalter sich diese negativ Bestätigung von anderen Menschen holt, da es in seiner Rolle so reingewachsen ist und dieses Verhalten verinnerlicht hat und auf keine andere Art sich Beachtung verschaffen kann.

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