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Mann und Frau, Psychologie der Beziehungen

Zusammenziehen mit dem Partner

„Sie sind jetzt also zusammen(gezogen).“

Melanies Mutter schüttelt immer noch ganz ungläubig den Kopf. Sie kann es noch gar nicht fassen, dass ihre 22-jährige Tochter so Hals über Kopf mit ihrem neuen Freund zusammengezogen ist. Gestern erst noch hatte sie ihr Vorhalte gemacht, wann sie denn endlich mal auf eigenen Beinen stehen wolle. Immerhin hätte sie jetzt seit einem Jahr schon ihre Ausbildung beendet. Immerhin würde sie jetzt schon lange genug ihr eigenes Geld verdienen. Und heute schon hat sie ihr Glück bei ihrem neuen Freund in einer gemeinsamen Wohnung gefunden. Aber kann das gut gehen? Nach gerademal einem viertel Jahr Beziehung? Oder ist es vielleicht doch zu früh?

Wie viel Zeit zum Zusammenziehen?

Wenn man einen Blick in so manches Internetforum wirft, liegt die Antwort auf der Hand: Es kann gar nicht früh genug mit dem Zusammenziehen sein, wenn zwei Menschen sich lieben. Geradezu trotzig schmettern die Betroffenen in verschiedenen Foren, Kritikern und Anhängern von längeren Wartezeiten mit der gemeinsamen Wohnung, ihre Aussagen entgegen. Aussagen vom erfolgreichen gemeinsamen Zusammenleben mit dem Partner nach 1-2 Monaten, wenigen Wochen oder im extremsten Fall Tagen. Sie wären jetzt auch nach 10 Jahren noch glücklich liiert, bereits verheiratet und hätten Kinder. Wirklich beruhigen kann einen das jedoch nicht, wenn man erstmal selber in dieser Situation ist. Wenn Aufregung; Vorfreude, aber auch gleichzeitig Zukunftsängste einen neuen Lebensabschnitt dominieren.

Alles eine Frage des Charakters

Zumal das auch kein Maßstab sein kann. Wirklich exakt festlegen lässt sich der richtige Zeitpunkt zum Zusammenziehen pauschal nun mal nicht. Es ist alles eine Frage des Charakters. Oder genauer gesagt der beiden einzigartigen Charaktere des jeweiligen Paares. Nur sie selbst wissen am besten wie sie persönlich ticken. Verfälscht wird dieses Bild leider nur zu oft durch die Verliebtheitsphase am Anfang einer Beziehung. Wenn beide Partner auf Wolke 7 schweben, ständig Schmetterlinge im Bauch haben, sobald sie den anderen sehen und jede noch so deutliche Macke des anderen als schmeichelhaft empfinden. Dann kann der Entschluss gemeinsam Bett und Tisch zu teilen, schneller auf der Tagesordnung stehen, als erwartet. Wozu das führen kann, dürfte jedem klar sein:

Die Koffer sind schnell gepackt. Die gemeinsame Wohnung in Windeseile bezogen. Und innerhalb kürzester Zeit liegt die Beziehung in Scherben. Deshalb ist es ratsam sich von vornherein keine Illusionen zu machen. Besser man wartet ab bis die Verliebtheitsphase abgeklungen ist (das kann je nach Paar unterschiedlich lange sein) und spricht dann erst die Zukunftspläne von einer gemeinsamen Wohnung. Unter einem Jahr Beziehung sollte man über diesen Schritt also lieber nicht nachdenken.

Meine Macken

Zwar gibt es auch nach 5 oder 10 Jahren Wartezeit keine Garantie auf eine lange glückliche Partnerschaft unter einem Dach. Die genaue Zeitangabe spielt aber auch keine Rolle. Viel wichtiger ist der Zusammenhalt.

Hat das Paar bereits eine oder mehrere schwierige Phasen durchlebt und gemeistert, ist die Wahrscheinlichkeit wesentlich größer, im gemeinsamen Haushalt lange zu bestehen. Dabei muss es sich natürlich nicht gleich um ernsthafte große Lebenskrisen handeln. Einfache alltägliche Konflikte genügen schon, um die Zusammengehörigkeit unter die Lupe zu nehmen.

In solchen Konfliktfällen ist es dann hilfreich, wenn man sich einmal selbst mit folgenden Feststellungen hinterfragt:

 Wie reagiere ich auf Meinungsverschiedenheiten meines Partners?
 Lasse ich mich leicht auf die Palme bringen?
 Versuche ich meinen Partner vom Gegenteil zu überzeugen?
 Gebe ich schnell nach um des lieben Frieden willens?
 Bin ich kompromissbereit und gebe mir Mühe den Streit mit optimalem Ergebnis für beide Seiten zu schlichten?
 Wie viel Freiraum brauche ich nach einem Streit?
 Setzt ein Partner am Ende eines Streits seine Interessen durch, während der andere in die Röhre schaut? Wie sehr kann ich mich selbst verwirklichen?

Allein diese Beobachtungen an sich selbst, können schon ein wesentlicher Wegweiser für ein gutes Zusammenleben zu zweit sein.

Lassen Sie sich allerdings eins gesagt sein: Es ist durchaus erlaubt, ja auch erwünscht, dass sie nicht als Mr(s). Perfekt in das gemeinsame Zusammenleben unter einem Dach gehen müssen.

Sie müssen also keineswegs erst 10 Jahre lang an sich arbeiten, um als aalglatter, makelloser Partner zu gelten.

Übereiltes Zusammenziehen als Typ-Check des Partners

Solange sie nicht in einer Nacht und Nebelaktion Ihr gemeinsames Liebesnest beziehen. Einer nicht unerheblichen Anzahl von Pärchen scheint genau das nämlich richtig verlockend vorzukommen. Ihrer Einstellung zufolge ließe sich schließlich so am besten checken, ob der Partner der Richtige für einen ist. Nirgends schneller als mit dieser fragwürdigen Methode könnte man die Gewohnheiten des Partners glasklar ausfindig machen. Und nur so könnte man schlussendlich die Frage beantworten, ob die eingegangen Bindung von Dauer sein kann oder nicht. Sie vergessen dabei jedoch, dass der gemeinsame Bezug einer Wohnung im Leben eines jeden Menschen einen existenziellen Schritt darstellt. Sie stellt für die nächsten Jahre das Zuhause, die Wohlfühloase, den Ort, um den sich tagein- tagaus das ganze Leben in absehbarer Zukunft dreht. Mit einem Partner an der Seite, dem man vertrauen will. Mit dem man sein Leben teilen will. Dem man sich „nackt mit all seinen Makeln, Problemen und Angewohnheiten“ zeigen will. Eine gemeinsame Wohnung ist daher mehr als nur ein Labor zum Mieten für ein Experiment nach dem Motto „Was ist mein Partner eigentlich für ein Typ!“

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